Eine Kinderjeans zu kaufen ist einfach, aber eine Kinderhose selbst zu nähen macht deutlich mehr Spaß und ist viel kreativer! Besonders reizvoll wird es, wenn man zu ausgetragenen Jeans greift und die Kinderhose als Upcycling-Projekt umsetzt. Wer keinen Schnitt zu Hause hat, kann sich diesen auch mit Hilfe einer vorhandenen Kinderhose ganz einfach selbst erstellen.
Für Upcycling-Projekte solltet Ihr Freude am Experimentieren und Erfinden mitbringen und Euch trauen, eigene Ideen auszuprobieren und umzusetzen. So entstehen ganz tolle, individuelle Ergebnisse! Das Gute dabei ist, dass man bei Upcycling-Projekten keine Angst haben muss, teuer gekauften Stoff zu zerschneiden. So macht es noch mehr Spaß, kreativ zu sein.

Einen Hosenschnitt erstellen
Für dieses Projekt benötigt Ihr als Grundlage einen einfachen Hosenschnitt (Hose mit Gummizugbund) in der passenden Kindergröße und Schnittmuster- oder Packpapier. Dann legt Ihr das vordere und das rückwärtige Hosenschnittteil an den Seitennähten zu einem Schnittteil pro Hosenbein zusammen und paust oder zeichnet dieses neu ab. So bekommt Ihr ein Schnittmuster für eine Hose ohne Seitennähte.
Einen Schnitt ohne fertiges Muster erstellen
Wenn Ihr keinen Hosenschnitt besitzen solltet, könnt Ihr diesen auch unkompliziert selbst erstellen. Ihr braucht dazu eine passende Kinderhose und Schnittmuster- oder Packpapier. Als Vorlage nehmt Ihr eine Kinderhose mit Gummizug- oder Kordelbund. Die Hose legt Ihr mit der Vorderseite nach oben auf das Schnittmusterpapier und zeichnet den Verlauf der äußeren und der inneren Beinnaht, den Bundverlauf am Bundansatz und den Hosenbeinsaum mit Bleistift auf das Papier.
Für die Schrittnaht, die sich nicht direkt abzeichnen lässt, geht Ihr so vor: Naht glatt streichen, sodass die Kurve glatt liegt. Den Nahtverlauf mit Hilfe einer Stecknadel, die Ihr in engem Abstand immer wieder an der Naht durch den Stoff / die Stofflagen stecht, auf das Papier übertragen. Anschließend den gestichelten Schnittverlauf mit Bleistift nachfahren. Mit der Rückseite der Hose ebenso verfahren.
Den skizzierten Verlauf der Bleistiftlinien mit Hilfe von Lineal und Kurvenschablone (eine ruhige Hand reicht auch) nachfahren. Die Schnittteile entlang der Linien ausschneiden. Nun habt Ihr ein vorderes und ein rückwärtiges Hosenschnittteil.

Vorbereitung des Jeansstoffs
Beim Zuschnitt an allen Nähten und Kanten solltet Ihr 1 cm Nahtzugabe dazugeben. Wer einen Umschlagsaum nähen möchte, schneidet den Hosenbeinsaum mit der gewünschten Saumzugabe zu - zum Beispiel 4 cm für eine Jungshose.
Beim Nähen mit Jeansstoffen und bei Upcycling-Projekten mit alten Jeans hat sich das DENIM DOC Garn der Firma Amann Mettler als sehr gut erwiesen.
Taschen und Details aus alten Jeans verwenden
Um witzige Seitentaschen für die Kinderhose zu erhalten, solltet Ihr Euch Eure alte Erwachsenenjeans genau anschauen. Die einfachste Lösung ist es, die Gesäßtaschen der Jeans zu verwenden. Dafür schneidet Ihr diese zunächst mit mindestens 1,5 cm Abstand zu den Kanten aus der Jeans aus.
Ihr könnt auch die kompletten vorderen Taschen inklusive Bund aus Eurer Jeans ausschneiden. Hier sind Eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt! Außerdem könnt Ihr noch schöne Label und Gürtelschlaufen von der Jeans abtrennen oder abschneiden.
Beide Hosenbeine quer und so weit oben wie möglich von der Jeans abschneiden. Den Schnitt so auf die rechte Stoffseite eines aufgeschnittenen Hosenbeins legen, dass die Seitennaht parallel zur Mittellinie des Schnittteils verläuft. Je nach Hose darf die Seitennaht versetzt oder auch ein wenig schräg oder gebogen verlaufen. Das kann später durchaus reizvoll aussehen. Wenn die aufgeschnittenen Hosenbeine nicht ausreichen sollten, dürft Ihr erfinderisch werden: Ihr könnt passende Reststücke ansetzen, bis die Größe stimmt.

Das Zusammennähen der Hose
Beide Hosenbeine quer und so weit oben wie möglich von der Jeans abschneiden. Den Schnitt so auf die rechte Stoffseite eines aufgeschnittenes Hosenbein legen, dass die Seitennaht parallel zur Mittellinie des Schnittteils verläuft. Je nach Hose darf die Seitennaht versetzt oder auch ein wenig schräg oder gebogen verlaufen. Das kann später durchaus reizvoll aussehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Beide Schnittteile rechts auf rechts zusammenklappen, jeweils die inneren Beinnähte aufeinanderheften und zusammensteppen.
- Die Hosenhälften rechts auf rechts ineinanderziehen. Die Schrittnaht heften und durchgehend zusammensteppen.
- Den Bundstreifen in der gewünschten Breite und Höhe mit 1 cm Nahtzugabe zuschneiden. Die Bundbreite so festlegen, dass der Hosenbund bequem über die Hüfte gezogen werden kann.
- Den Hosenbund zu einem Schlauch zusammensteppen: Rechts auf rechts zusammenklappen, die kurzen Seiten treffen aufeinander. Die Seitennaht mit Stretchstich oder Zickzackstich zusammensteppen.
- Den Schlauch (Hosenbund) mit der rechten Seite außen doppelt zusammenklappen, so dass die Bundnaht genau in der hinteren Mitte liegt und bügeln.
- Den Hosenbund mit Stecknadeln rechts auf rechts an die Hose heften.
- Den Bund, an einer Seitennaht beginnend, mit Stretchstich oder Zickzackstich an die Hose steppen, der Jeansstoff liegt dabei unten und die dehnbare Ware oben.
- Beim Zusammensteppen den Bund zwischen den Strecken (immer von einer Stecknadel zur nächsten) so dehnen, dass Hosenkante und Bundkante glatt zusammengesteppt werden.
- Den Hosenbund hochklappen und die Nahtzugaben nach unten bügeln.
- Den Hosenbeinsaum (bei der Jungshose sind es z.B. 4 cm) auf die rechte (oder linke) Stoffseite umschlagen und knapp an der Kante entlang feststeppen.
Es ist wichtig, dass Du darauf achtest, die richtige Tasche an das richtige Gegenstück zu nähen. Die Tasche wird verstürzt. Das heißt, dass Du die Tasche und die Vorderhose rechts auf rechts legst. Dann steppfußbreit (ca. 0,5 cm) absteppen und umstülpen. Danach muss die Naht innen liegen.
Wenn du sicher gehen willst, dass die Hose besonders stabil und langlebig wird, kannst du den Rand der Naht auch noch mit einem Zickzack-Stich zusammennähen. Wichtig ist nur, dass der Zickzack-Stich nicht über den Stepp-Stich reicht.
Als nächstes wird die Seitennaht (SN) geschlossen. Der Ablauf ist genauso wie bei der Innenbeinnaht. Ca. 0,8 cm von der Kante zusammensteppen.
Du erkennst jetzt schon sehr gut die einzelnen Hosenbeine. Als nächstes wird die Schrittnaht bzw. die Gesäßnaht geschlossen. Falls du die Kanten versäubern möchtest, solltest du das machen, bevor du die Naht schließt, also jede Seite einmal mit einem Zickzack-Stich versäubern. Dann wird wie immer rechts auf rechts gelegt und die Naht geschlossen.
Am einfachsten ist es, die Hose richtig rumzudrehen, also auf rechts. Das Bauchbündchen wird am Hosenbund angebracht, dabei ist zu beachten, dass das Bündchen beim Nähen gezogen werden muss. Am besten, du steckst es in der vorderen Mitte und in der hinteren Mitte und an beiden Seitennähten einmal fest.
Auch beim Beinbündchen gilt: Jeans und Bündchen rechts auf rechts legen. Also liegt das Bündchen quasi nach unten geklappt über die Hose gestülpt. Der Stich ist ebenfalls ein einfacher Steppstich, ca. 0,8 cm von der Kante aus und auch hier lohnt es sich, mit einem Zickzack-Stich zu versäubern. Das Gleiche machst du mit den beiden Beinbündchen.

Upcycling-Ideen mit alten Jeans
Wer hat nicht ein paar alte Jeans zuhause, die zur Seite gelegt wurden, um sie irgendwann weiterzuverarbeiten? Und wer findet Utensilos aus Jeans doof und möchte definitiv seine abgelegte Hose nicht ausstopfen und Blumen in den Hosenbund pflanzen? Dann geht’s euch wie mir! Ich habe nämlich einige noch ziemlich gut erhaltene Jeans (aber leider zu eng, zu ausgebeult, Hose im Schritt zu sehr gerissen) rumliegen und wollte was Cooles draus machen!
Ich habe im Winter dann rumprobiert, daraus Kinderkleidung für meine Nichte und mein Patenkind zu nähen. Die Prämisse war aber: Es soll definitiv nicht nach Upcycling und schon gar nicht nach selbstgenäht aussehen, sondern eher wie Hosen aus den coolen Kinderboutiquen, wo eine Mini-Jeans mehr kostet als eine für Erwachsene.
Praktische Taschen und Details
Für die Kinderhose (die meine Nichte zum 3. Geburtstag bekommen hat) geht nichts ohne richtige Taschen! Ich habe dann tatsächlich keine von meinen aussortierten Hosen verwendet, sondern eine ihrer Mama - Mist, mein Stapel hat sich nicht weiter verkleinert! Aber die Jeans war noch in einem super Zustand, nur der Stoff am Innenbein war, wie es so oft passiert, inzwischen durchgelaufen und die Hose kam auch nicht mehr für die Reparatur in Frage.
Der Stoff der Levi's Jeans ist super dehnbar, sodass er sich auch perfekt für Kinder eignet, denn die brauchen ja richtig Bewegungsfreiheit beim Spielen und Toben. Ich habe euch ein kleines Instagram-Reel zusammengeschnitten, da seht ihr die wichtigsten Schritte, wie man die Hose auseinander nimmt und wieder zusammensetzt.
Ich wollte unbedingt die hinteren Taschen wiederverwenden, den Aufnäher und das kleine Levi's Label. Und die Vorderhosenschnittmusterteile habe ich so platziert, dass die Waschung an der Vorderhose der Originalhose an der gleichen Stelle der neuen Hose sitzt. Den Bund wollte ich auch wiederverwenden, den konnte man auch super einfach abtrennen, wie man im Video sieht, einfach die Gürtelschlaufen abschneiden, die Nähte auftrennen und in der neuen Hose verwenden. Ich habe dann 2 cm Gummiband eingezogen, das war etwas fummelig, weil der Bund schon recht dick ist, aber mit ein bisschen Geduld klappt auch das.
Auf den Tragefotos war die Hose noch nicht ganz fertig, das war die letzte Anprobe, und der Gummibund ist noch nicht richtig eingezogen und der große Aufnäher fehlt auch noch. Aber man sieht schon, wie super die Hose sitzt. Die Kleine wollte sie gar nicht mehr ausziehen, dass ich sie fertig nähen konnte, haha. An der Stelle, an der der Aufnäher wieder angebracht wurde, rafft sich der Hosenbund nicht so stark, aber das stört die Optik nicht.
Den kann man (wenn man überhaupt einen hat, natürlich auch weglassen). Das Nähen hat sich bis auf den Reißverschluss fast angefühlt wie das Nähen einer Erwachsenenjeans, also wer sowas schon immer mal machen wollte, aber keine Lust auf Anpassungen und Reißverschluss hat - das hier ist das perfekte Projekt. Und man kann fast die komplette Jeans wiederverwerten, das gefällt mir sehr!

Spezialwerkzeuge und Materialien
Wenn ihr sicher gehen wollt, dass die Hose besonders stabil und langlebig wird, könnt ihr den Rand der Naht auch noch mit einem Zickzack-Stich zusammennähen. Wichtig ist nur, dass der Zickzack-Stich nicht über den Stepp-Stich reicht.
Nähmaschinenzubehör und Garn
Beim Nähen mit Jeansstoffen und bei Upcycling-Projekten mit alten Jeans habe ich sehr gute Erfahrungen mit dem DENIM DOC Garn der Firma Amann Mettler gemacht.
Es gibt extra Jeans Nähnadeln, die sich besonders gut eignen, Jeans zu vernähen. Jeansstoffe sind meist gröber und fester und man muss manchmal durch mehrere Lagen nähen, deshalb sind Jeansnadeln auch etwas dicker (90 bis 110) und haben eine etwas spitzere Spitze als Universalnadeln. Es muss aber nicht unbedingt eine Jeansnadel sein: Es geht auch eine dickere Universal Nadel mit einer Dicke von mindestens 90. Ich habe auch schon mit Leder-Nadeln gute Erfahrungen gemacht. Das kommt daher, dass die stabilen Leder-Nadeln eine noch schärfere Spitze als Jeansnadel haben und dafür gemacht sind, sich gut durch dickere Stoffe zu arbeiten.
Du brauchst eigentlich kein besonderes Nähgarn. Das normale Allzweckgarn aus Polyester ist stabil und reißfest genug. Baumwollgarn ist allerdings nicht so geeignet und reißt leichter. Für die Verbindungsnähte würde ich eine Farbe wählen, die der Jeansfarbe nahe kommt. Für Zier- oder Sichtnähte kann ein Garn in einer Kontrastfarbe schön aussehen oder warum nicht mal Neon? Für die klassischen Abstepp- und Kappnähte eignet sich sogenanntes „Jeansnähgarn“ oder „Extra starkes Garn“ sehr gut. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Nähgarn mit abnehmender Zahl dicker und kräftiger wird. Z.B. hat Ledergarn eine Stärke von 40, 30 oder sogar 20 - ein besonders dickes und stabiles Garn. Ein Denim Garn hat normalerweise eine Stärke von 50.
Noch ein Wort zum Jeans-Nähgarn: Hier handelt es sich um ein besonders stabiles Garn, das in typischen Jeansfarben daher kommt. Weil ich gerne meine Hosen selber nähe, habe ich mir eine Packung Jeans-Nähgarn in verschiedenen Farben besorgt. Die dicken, reißfesten Jeans-Garne verwende ich für Steppnähte.

Babykleidung aus Jeansstoff nähen
Aus einer alten Jeans kann man ruckzuck eine Babyhose nähen. Dabei werden die äußeren Nähte der Jeans erhalten, so dass man nur noch die inneren Nähte schließen muss. Ein weiterer Vorteil ist, dass alte Jeans schon oft gewaschen wurden - das bedeutet zum einen, dass der Stoff schön weich ist (selbst bei dickeren Stoffen) und zum anderen, dass Schadstoffe, die vielleicht im Stoff steckten, schon lange herausgewaschen wurden.
Baby-Jeans mit besonderen Details
Für die #Baby-Jeans_Ari und die #Baby-Jeansjacke_Ari werden weicher Denim und zarter Musselin als Futterstoff kombiniert. Die Jacke hat einen bequemen Raglanschnitt, der viel Bewegungsfreiheit gibt. Die Hose hat an den Knien für alle Krabbelkinder eine eingesetzte Verstärkung.
Die Abnäher vom Ärmel nähen und nach hinten bügeln. Raglanärmel einsetzen, so dass die Markierungen aufeinander treffen. Die Nahtzugaben bügeln. Kragen anheften, dabei auf die Markierungen achten. Mit Schrägband die Kanten gemeinsam einfassen. Bänder zu Schlaufen falten, so dass der Knopf gerade noch durch passt.
Zunächst jeweils die Denim-Hosenteile an den äußeren Beinnähten und vorderen und hinteren Mitten zusammen nähen. Nahtzugaben flach bügeln. Bei den Musselin-Schnittteilen, am oberen Bundkante je 6 cm wegschneiden, dann die Teile wie bei der Denim-Hose zusammen nähen. Die innere Beinnaht bleibt offen.
Musselin-Hose in die Denim-Hose, links auf links schieben. Knieverstärkung zwischen die Hosenteile auf die Markierung (Kniehöhe) heften. Mit dem Kontrastgarn von rechts auf die Denim-Hose Dreiecke auf die Knie steppen, dabei Knieverstärkung und Musselin mitfassen. Innere Beinnaht nähen.
Die offene Denim-Bundkante versäubern und 4 cm nach innen falten. Das Gummiband zurecht schneiden (für Größe 80: 46 cm / 86: 48 cm / 92: 50, inkl. 2 cm Nahtzugabe) und einziehen.

Babyhose nähen | Babyjeans nähen - so geht's Videotutorial
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