Informationen zur Alten Frauenklinik Gießen

Die Alte Frauenklinik in Gießen blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück und hat sich trotz ihres historischen Gebäudes stets als eine moderne Einrichtung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe präsentiert.

Geschichte und Entwicklung der Frauenklinik

Die Geschichte der Frauenklinik in Gießen ist eng mit der Krankenversorgung, Lehre und Forschung verbunden. Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1814 zurück, als das "Accouchierhaus" eröffnet wurde, das von Beginn an auch der Armenfürsorge diente.

Frühe Jahre und Standortwechsel

Rudolph Kaltenbach (1882-1885) erwirkte vor seiner Berufung nach Halle die Genehmigung zum Bau einer neuen Klinik am Seltersberg, da die alte Klinik in der Nähe des Botanischen Gartens den steigenden Anforderungen nicht mehr gerecht wurde.

Unter Max Hofmeier (1885-1888) erfolgte der Baubeginn, und 1890 konnte unter Hermann Löhlein (1888-1901) die Klinik, die dem heutigen Mitteltrakt entsprach, nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht werden.

Erweiterungen und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Eine Erweiterung der Klinik erfolgte durch den Anbau des Nordflügels unter Otto von Franqué (1867-1937) und durch den Anbau des Südflügels im Jahr 1920 durch Rudolf Theodor Edler von Jaschke (1881-1963).

Am 6. Dezember 1944 wurde die Frauenklinik der Universität Gießen durch einen Bombenangriff nahezu vollständig zerstört.

Wiederaufbau und Neuausrichtung

Neubeginn und Wiederaufbau erfolgten unter der Leitung von Ernst Klees, einem Schüler des Marburger Gynäkologen Erwin Kehrer (1874-1959). Klees leitete als kommissarischer Direktor der Klinik unter rastlosem Einsatz in den schwierigen Zeiten der Nachkriegsjahre den Wiederaufbau.

Im Herbst 1947 begann der Wiederaufbau des Nordflügels der Frauenklinik. Die benötigten finanziellen Mittel für den weiteren Aufbau wurden zur Verfügung gestellt, so dass die Arbeiten zum Aufbau des Südflügels im Juli 1950 eingeleitet werden konnten.

Der Frauenklinik war es jedoch nicht vergönnt, in den 1952 fertig gestellten Teil des Südflügels einzuziehen, da Platz für die Kinderklinik zur Verfügung gestellt werden musste, die provisorisch bis 1972 hier untergebracht war.

Mit dem Auszug der Kinderklinik 1972 waren die Voraussetzungen für die vollständige Renovierung des Gebäudes geschaffen. Ab 1973 begann die Erweiterung und der Ausbau der Wilhelm-Conrad-Röntgen-Klinik durch den Abriss der Hörsaal-Rotunde der Frauenklinik.

Unter Wolfgang Künzel (geb. 1936), seit 1980 Direktor der Klinik, wurden die Baumaßnahmen fortgeführt, und im Juli 1981 konnte der völlig neu gestaltete Operationstrakt seiner Bestimmung übergeben werden.

Im Mitteltrakt der Klinik war im 1. Obergeschoss durch die Verlegung des Hörsaals ein großer Raum zur Nutzung als Bibliothek frei geworden. Der in das Direktorhaus der Frauenklinik ausgelagerte alte Buchbestand konnte nun endlich wieder zugänglich gemacht werden.

Historische Ansicht der Alten Frauenklinik Gießen

Aktuelle Nutzung und Sanierungspläne

Die denkmalgeschützte Alte Frauenklinik, die bis 2012 die umfangreiche gynäkologisch-geburtshilfliche Sammlung beherbergte, erfährt derzeit eine Umnutzung.

Umnutzung durch den Fachbereich Medizin

Der Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität nutzt derzeit die Alte Frauenklinik. Dort ist unter anderem das Studiendekanat untergebracht, und Studierende besuchen Lehrveranstaltungen in dem Gebäude.

Zukünftige Pläne für die Krankenversorgung

Das Universitätsklinikum Gießen plant, die Alte Frauenklinik nach deren Sanierung wieder für die Krankenversorgung zu nutzen. Das denkmalgeschützte Gebäude soll die Augenklinik und die Hautklinik aufnehmen.

Beide Kliniken befinden sich derzeit noch in ihren sanierungsbedürftigen Altbauten aus der Zeit vor der Privatisierung. Für sie war im neuen 595-Betten-Haus kein Platz vorgesehen.

Ein Architekturbüro arbeitet bereits Entwürfe für den Umbau der Alten Frauenklinik aus. Der Einzug der Augen- und Hautklinik ist für Sommer 2015 geplant, nachdem der Fachbereich Medizin auf die gegenüberliegende Seite der Klinikstraße in die alte Chirurgie umgezogen ist.

Standorte der aktuellen Augenklinik und Hautklinik

Die 1907 gebaute Augenklinik sitzt derzeit in der Friedrichstraße in einem monumentalen Jugendstilgebäude.

Die Hautklinik ist in der Gaffkystraße untergebracht. Dieses Gebäude, nur fünf Jahre jünger als die Augenklinik, fiel Ende 2011 mit schweren baulichen Mängeln auf, die das Gesundheitsamt auf den Plan riefen. Seitdem ist die stationäre Patientenbetreuung der Hautklinik in ein Containergebäude ausgelagert.

Schema der geplanten Umnutzung der Alten Frauenklinik für Augen- und Hautklinik

Die Gynäkologisch-Geburtshilfliche Sammlung

An der Frauenklinik des Universitätsklinikums Gießen befindet sich eine umfangreiche gynäkologisch-geburtshilfliche Sammlung, die bis 2012 in der Alten Frauenklinik untergebracht war.

Umfang der Sammlung

Die Sammlung umfasst Instrumente und Apparate der operativen Geburtshilfe sowie Originalbücher zur Hebammenkunst.

Zusammenstellung und Ausstellung

Die Sammlung wurde vom ehemaligen Klinikleiter Professor Wolfgang Künzel zusammengestellt. Die historischen Artefakte sind in den Fluren der Klinik ausgestellt.

Fotografie von historischen gynäkologischen Instrumenten aus der Sammlung

Brandmeldeanlage und Sicherheitshinweise

Die Brandmeldeanlage in der Alten Frauenklinik (Klinikstraße 32) wurde umgerüstet, wobei die optischen Notfallsignalgeber (Blitzleuchten) gegen akustische Notfallsignalgeber (Alarmhupen) ausgetauscht wurden.

Verhalten im Alarmfall

Sollte ab dem 01.08.2015 ein Alarm ausgelöst werden und die Notfallsignalgeber zu hören sein, muss das Gebäude, wie auf den Flucht- und Rettungsplänen dargestellt, geräumt werden.

Alarmierung und Evakuierung – So geht’s richtig!

200-jähriges Jubiläum der Universitäts-Frauenklinik

Im Jahr 2014 feierte die Universitäts-Frauenklinik ihr 200-jähriges Bestehen, ein Anlass für ein Symposium, das die Bedeutung der Klinik für Stadt und Region hervorhob.

Statistische Betrachtung der Geburtenzahlen

Eine Schätzung von Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär im hessischen Sozialministerium, ergab bei durchschnittlich 400 Geburten pro Jahr seit der Eröffnung insgesamt 80.000 "zauberhafte Momente".

Die historischen Geburtenzahlen zeigen eine deutliche Entwicklung: 1814 verzeichnete die Statistik nur zwei Entbindungen, 1847 schon 200, und im Jahr 2013 wurden exakt 1238 Kinder geboren.

Bedeutung und Anerkennung der Klinik

Staatssekretär Dippel betonte die Bedeutung der Frauenklinik für Gießen und die Region und kündigte positive Entwicklungen bei der Finanzierung an, insbesondere für die Notfallversorgung und die Pflege.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hob die 200-jährige Tradition der Klinik hervor und bezeichnete den Neubau als einen "Quantensprung", sah aber auch Bedarf für Weiterentwicklungen.

Dank und Ausblick

Besonderer Dank galt Prof. Wolfgang Künzel und seinem Nachfolger Prof. Hans-Rudolf Tinneberg für ihre Verdienste um die Einrichtung.

Für die Zukunft wurden wichtige Diskussionen in der Reproduktionsmedizin angestoßen, unter anderem durch familienpolitische Vorstöße.

Jubiläumsveranstaltung zum 200-jährigen Bestehen der Frauenklinik

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