5 Jahre unerfüllter Kinderwunsch: Herausforderungen und Wege

Knapp 30 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter haben laut einer Studie Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Das Risiko eines unerfüllten Kinderwunsches steigt bei Frauen ab 35 Jahren erheblich an, wie Forscherinnen und Forscher des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) feststellen. Diese Erkenntnisse basieren auf einer Studie zu sogenannten Fertilitätsbarrieren, für die Daten des Familienpanels pairfam ausgewertet wurden. Das Forschungsteam begleitete über zehn Jahre hinweg insgesamt 1.862 Frauen aus drei Geburtskohorten.

Das Alter als entscheidender Faktor für die Familiengründung

Ein wichtiger Faktor bei der Familiengründung ist das Alter. In Deutschland liegt das Durchschnittsalter von Müttern beim ersten Kind bei 30,4 Jahren, Väter sind im Durchschnitt noch älter. Mit zunehmendem Alter der Gebärenden steigt das Risiko für Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten deutlich an. Besonders ab 35 Jahren wird dies relevant: In dieser Altersgruppe haben bereits 47 Prozent der Frauen sogenannte Fertilitätsbarrieren erlebt. Nur acht Prozent bekommen in diesem Alter ohne Schwierigkeiten ein Kind. In der mittleren Altersgruppe, etwa zwischen Mitte 20 und Mitte 30, ist die Situation für den Versuch, schwanger zu werden, laut Studie günstiger.

Statistik zur Fruchtbarkeit von Frauen nach Altersgruppen

Biologische Faktoren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Autorinnen der Studie fordern mehr Aufklärung und betonen, dass neben gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch biologische und nicht planbare Faktoren eine Rolle spielen. Bei Frauen wie Claudia und Thomas Moser teilt sich das Leben in eine Zeit mit und nach dem Kinderwunsch. Dazwischen liegen Jahre voller Hoffnung, Behandlungen und Trauer. Zunächst hatte die Chemieingenieurin berufliche Ziele, doch als sie bereits über dreißig war und sich mit ihrem Mann Kinder wünschte, klappte es nicht. Bei ihr wurde schließlich eine Endometriose diagnostiziert, eine der häufigsten Ursachen für Kinderlosigkeit bei Frauen.

„Der Kinderwunsch war anfangs gar kein Thema für mich, da standen die beruflichen Interessen im Vordergrund“, erinnert sich Claudia Moser. Die beiden hatten bereits in Deutschland mit einer Kinderwunschbehandlung begonnen, als sie einige Jahre später nach Japan gingen und dort die Behandlungen fortsetzten. Doch alle Versuche schlugen fehl. „Es war, wie wenn ich gezwungen bin weiterzumachen. Das sind schon solche Versagensgefühle, Gefühle wie Fassungslosigkeit, Wut, Trauer und Ohnmacht“, beschreibt Thomas Moser die emotionale Achterbahnfahrt.

Statistiken zur Kinderwunschbehandlung

Wie den Mosers geht es vielen Paaren. Auch wenn bei einer Kinderwunschbehandlung ein Embryonentransfer heute zu rund 93 % gelingt, liegt die Schwangerschaftsrate durchschnittlich bei 33 Prozent. Die Geburten- oder sogenannte Baby Take Home Rate ist aber nochmals niedriger und liegt bei 23 Prozent. Je älter die Frauen und Paare sind, desto geringer ist die Chance auf Schwangerschaft und Geburt. Nach vier Versuchen ist noch jedes zweite Paar ohne Kind. Nach fünf Versuchen beschlossen Claudia und Thomas Moser aufzuhören.

Der lange Weg der Abschiednahme und die Suche nach Glück

„Und plötzlich wurde ich spontan schwanger, wir waren wie vom Donner gerührt. Aber zehn Wochen später bekam ich eine Fehlgeburt. Und dann habe ich einfach weitergemacht, das war, wie wenn ich in einem Nebel laufe. Keiner der Ärzte hat das Wort Depression in den Mund genommen, aber es war wahrscheinlich eine“, berichtet Claudia Moser. Wie wichtig Beratung und Hilfe bei ungewollter Kinderlosigkeit sind, hat auch die Sozialpädagogin, Autorin und Beraterin Iris Enchelmaier erfahren. „Wir haben fünf Jahre versucht, ein Kind zu bekommen, und dann ist es mir gelungen, Abschied zu nehmen davon. Ich lebe jetzt ein glückliches Leben.“

Zu Beginn der 2000er Jahre beendete sie die Versuche, schwanger zu werden. Damals gab es kaum Hilfsangebote, das Thema war ein Tabu. Sie recherchierte und schrieb selbst ein Buch, das erste in Deutschland. Der Abschied vom Kinderwunsch ist für sie vergleichbar mit dem Tod eines geliebten Menschen. „Ungewollt Kinderlose müssen sich zwar von einem Menschen verabschieden, der noch nie dagewesen war, aber der einfach schon ganz viel Raum in ihrem Leben eingenommen hat und der ihr Leben oft schon jahrelang bestimmt hat“, erklärt Iris Enchelmaier. Mit der Flut ambivalenter Gefühle zurechtzukommen, brauche oft Jahre: „Ich finde, ungewollt kinderlos gebliebene Frauen und Männer sollten sich das auch zugestehen. Ich habe eine Trauerzeit, und ich nehme mir die Zeit, diese Trauer zu leben.“ Nur circa zwei bis fünf Prozent der Frauen und noch weniger Männer der Paare, die eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch nehmen, lassen sich während der Behandlung beraten.

Beratung und Unterstützung im Prozess

Christiane und Heiko Hucke gehören zu denen, die sich Hilfe geholt haben. Auch sie haben sich entschlossen, offen über ihre Situation zu sprechen. „2016 haben wir geheiratet und haben uns dann, als es so nicht direkt geklappt hat, noch ein knappes Jahr gegeben, sind dann in 2017 in Behandlungen gegangen. Das ist schon schwierig, denn man macht sich ja doch Hoffnungen. Wenn man dann in so eine Klinik kommt, dann sind dort Frauen, die sagen, es hat beim ersten Mal schon geklappt. Und man selbst ist das zweite Mal hier und liegt dann halt da und hofft, hoffentlich funktioniert es dann auch bei dir. Und dann ist es halt dann nicht so. Ja, man macht sich dann doch schon seine Gedanken.“

Nachdem zwei Behandlungen erfolglos blieben, begannen sie auch über eine Samenspende nachzudenken: „Es lag im Prinzip daran, dass bei mir die labortechnischen Werte so schlecht waren, dass es halt auf natürlichem Weg nicht funktionieren konnte. Ich bin dann irgendwann in Panikattacken reingelaufen und so Angstzustände, so dass ich dann dachte, jetzt bekomme ich gleich einen Herzinfarkt. Das war dann wirklich dieser inhaltliche Stress, der das Ganze ausgelöst hat.“ Die beiden wenden sich an den Verein Donum Vitae in Erfurt, der Teil eines bundesweiten kostenfreien Netzwerks von Familienberatungsstellen ist. Nach erfolglosen Behandlungen kann es hilfreich sein, sich über Alternativen und weitere Möglichkeiten zu informieren.

Symbolbild für Beratung und Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch

Alternative Wege und das Annehmen des Schicksals

Ramona Täubert, Dipl. Sozialpädagogin bei Donum Vitae, erklärt: „Es geht immer darum zu schauen, was bringt das Paar mit? Wo sind sie gerade, was beschäftigt sie, was brauchen sie gerade? Und je nachdem besprechen wir auch Plan B oder C. Und da sind die Vorstellungen teilweise sehr unterschiedlich, das Tempo der Paare ist auch sehr unterschiedlich.“ Adoption oder Pflegekinder kommen für die Huckes nicht in Frage. Aber auch die bisherigen Versuche mit Samenspenden blieben erfolglos. Ein möglicher Abschied vom Kinderwunsch rückt näher. „Jetzt sind wir im Prinzip so auf dem Stand, dass wir immer noch hoffen, dass es so auch klappt. - Auf der einen Seite merkt man schon, es ist jetzt zwar kein Kind da, man hat viel, aber auf der anderen Seite wünscht man sich das schon, wenn hier so kleine Füße rumtrampeln. Es ist schwierig. Vor allem sprechen wir natürlich auch nicht mit jedem darüber. Und vielen ist auch nicht bewusst, was das bedeutet.“

Auch Claudia Moser coacht heute Frauen nach einer erfolglosen Kinderwunschbehandlung. Sie weiß, die Trauer kann immer wieder kommen. Ihr Ziel ist es, anderen zu helfen, ein erfülltes Leben aufzubauen, auch kinderlos glücklich zu werden. Es geht darum, das eigene Schicksal anzunehmen, - ohne Wenn und Aber und eine neue Perspektive für das eigene Leben aufzubauen: „Es geht wirklich darum, mit dem Kinderwunsch in Frieden abzuschließen, den zu integrieren ins Leben. Und das ist die Basis für eine neue Perspektive, beruflich und privat“, rät Claudia Moser. Denn dann kann der Neuanfang auch eine Chance sein, sich die Freiheit zu nehmen, über bisher nicht genutzte Ziele und Ressourcen nachzudenken, etwas Neues aufzubauen.

Rituale und die Stärkung der Partnerschaft

Sie selbst und ihr Mann hatten sich, nachdem auch bei ihnen vor wenigen Jahren die Trauer zurückgekommen war, mit einem Brief und einem Ritual endgültig von ihrem ungeborenen Kind verabschiedet. „Das war hochemotional. So eine Zeremonie sollte man nicht unterschätzen, das ist echt hilfreich“, berichtet Thomas Moser. Die Beziehung der beiden hat das nochmals gestärkt. Kein Einzelfall, denn die Beziehungen vieler ungewollt kinderloser Paare werden durch die gemeinsam durchlebten schwierigen Jahre eher gestärkt, als dass die Paare auseinandergehen. Iris Enchelmaier sieht in der Beratung von Frauen durch Frauen, die selbst ungewollt kinderlos geblieben sind, einen großen Vorteil: „Diese Frauen wissen, was es bedeutet, Abschied vom Kinderwunsch zu nehmen. Sie verstehen ihr Gegenüber auf einer ganz anderen, tieferen Ebene.“

Persönliche Erfahrungen und die Bedeutung von Offenheit

Luisa war 22 Jahre jung, gerade frisch aus der Ausbildung, als sie die Pille absetzte. Die Vorfreude auf das Ungewisse hatte sie in ihren Bann gezogen. Immerhin wussten sie ab Tag 1 ihrer Beziehung, wie ihre Kinder heißen sollten. Als sie anfing, sich mit der Materie zu beschäftigen, wurde ihr klar: Das wird gar nicht so einfach wie gedacht! Trotzdem malten sie sich aus, wie ihr Baby heißen wird, was für ein Charakter es sein wird, sie schauten nach Klamotten, Kinderzimmern und träumten vom Familienleben.

Häufig braucht der weibliche Körper einige Zyklen, bis er sich nach Absetzen der Pille reguliert und wieder in Fahrt kommt. Was anfangs unbedenklich schien, entpuppte sich bei Luisa jedoch als etwas ganz anderes. Nach einigen Monaten fiel ihr auf, dass sie lange Zyklen hatte, was ja nach Absetzen der Pille nicht selten vorkommt. Um das Ganze besser einzuschätzen, kaufte sie sich einen Zyklusmonitor. Als dieser nach einigen Zyklen keinen Eisprung anzeigte, wurde sie doch unruhig. Sie ging zu ihrer Frauenärztin, erläuterte ihr Problem und da wurde es dann auch diagnostiziert: PCO (Polyzystisches Ovarial-Syndrom). Ab dem Zeitpunkt war ihr klar: Das wird noch ein langer Weg!

PCO (Polyzystisches Ovarial-Syndrom) betrifft geschätzt vier bis zwölf Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter in Europa. Es ist somit die häufigste hormonelle Störung, zudem die häufigste Ursache für eine Unfruchtbarkeit aufgrund von Zyklusstörungen. Luisa informierte sich beim Frauenarzt und Endokrinologen, was das für sie und ihren Körper bedeutet, und auch im Internet. Sie bekam für 3 Monate die Pille, ein Medikament, um ihre zusätzliche Insulinresistenz zu behandeln, und stellte ihre Ernährung auf eigene Faust um. Sie suchte Gleichgesinnte, surfte viel im Internet und lernte so ihre Hormonstörung immer besser kennen. Die Medikamente brachten etwas. Sie hatte endlich einen Eisprung! Für sie war das ein Meilenstein, sie hatte wieder neue Hoffnung, neue Energie, sie waren bereit - jetzt konnte es richtig losgehen. Aber es tat sich nichts.

Schema des polyzystischen Ovarialsyndroms

Psychische Belastung und die Suche nach Sinn

Wie fühlt es sich an, wenn man nach Jahren immer noch kein Baby in den Armen halten kann? Wie geht man mit schwangeren Bekannten um, den Fragen „Wann ist es bei euch soweit?“ Und wie schafft es Frau, psychisch stabil zu bleiben? Luisa hat in dieser langen Zeit sehr viele Phasen durchlebt. Anfangs euphorisch, nach einiger Zeit ungeduldig, dann sogar depressiv. Mit der Zeit fragt man sich „Wieso ich?“ Man hinterfragt sein komplettes Leben, die Aussagen der Ärzte. Was man erst nicht wahrhaben will, wird irgendwann so real, dass es einem die Luft abschnürt. Schwangeren konnte sie nicht in die Augen schauen, denn sie fing direkt das Weinen an. Es war wie eine Art Trauma, welches sie immer mehr beeinflusste. Auf Fragen, wann es bei ihnen endlich soweit sei, wurde sie pampig und stritt den Kinderwunsch zeitweise sogar ab. Als sie das einige Zeit bewusst so erlebte, wusste sie, dass ihnen nur eine Möglichkeit bleibt. Nach der ersten erfolglosen ICSI und dazu noch sehr hoch dosierten Hormonen, gingen sie in eine komplette Babypause - sie musste wieder zu sich selbst finden!

Der unerfüllte Kinderwunsch kann für Paare eine sehr große psychische Belastung darstellen. Sollte sich das so weit ziehen, dass man sich alleine fühlt und keinen Ausweg aus seiner Situation findet, depressiv wird und sogar die Beziehung darunter leidet, kann man sich psychologische Hilfe suchen oder man versucht es auf eigene Faust - wie Luisa. Sie wollte endlich wieder Leben und Spaß spüren. Sie wollte nicht mehr im Bett liegen und sich wie ein Zombie fühlen, der keinen Sinn im Leben sieht. Nach 5 Jahren Sex nach Plan, 5 Jahren jeden Monat wieder die Periode und Enttäuschung, musste sie im Leben Sinn finden. Sie überlegte, was die Zukunft bringen soll, ohne Kind. So hatte sie wieder Liebe zu ihrem Hobby gefunden, hatte den Job endlich gewechselt und fing Monat für Monat an, das Leben wieder zu genießen. Der Kinderwunsch war zwar immer im Hinterkopf, aber bei Weitem nicht mehr so extrem. Sie wollte einfach nicht mehr durch etwas bestimmt werden, was noch nicht ist.

Langfristige Perspektiven und Akzeptanz

Nein, nach 8 Jahren sind Luisa und ihr Mann immer noch kinderlos, aber seit Kurzem wieder am Hibbeln. Es hat sich seitdem vieles verändert. Sie sind umgezogen, haben einen tollen Hund, der viel Liebe und Zeit benötigt, sie hat einen tollen Job. Ihr Tag ist wirklich ausgefüllt. Die Prioritäten haben sich geändert. Sie machen immer wieder bewusste Babyplanpausen, sobald sie merkt, dass es sie zu sehr beschäftigt. Sie hat sehr lange gebraucht, diese Situation zu akzeptieren. Und heute freut sie sich Schwangere zu sehen, Babys im Arm zu halten und mit den Nachbarkindern zu spielen, ohne sich selbst Vorwürfe zu machen oder daran zu zerbrechen. Auch wenn die letzten Jahre kein Zuckerschlecken waren, so haben sie sie sehr geprägt und zu dem Menschen gemacht, der sie nun ist. Sie weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, ein Kind zu haben. Und sollte es irgendwann dann doch passieren, wird es für sie ihr persönliches Wunder.

Mehr Aufklärung und Ehrlichkeit

Das Thema unerfüllter Kinderwunsch kommt immer mehr ins Gespräch, wird dennoch oft unter den Tisch gekehrt. Egal ob es gesundheitliche Gründe dafür gibt oder nicht, es ist für viele Paare eine wahnsinnige Herausforderung - ob mit positivem oder negativem Ende. Deswegen hat Luisa ein Ziel, welches sie an Mütter mit Töchtern weitergeben möchte: „Ich wünsche mir mehr Aufklärung. Jungen Frauen muss klar gemacht werden, dass es keine Garantie gibt schwanger zu werden! Die Zeiten haben sich geändert und die Umwelteinflüsse machen sich auch beim Thema Fruchtbarkeit bemerkbar. Es muss den jungen Frauen bewusst gemacht werden, dass Kinder kriegen nicht immer funktioniert, dass es schwer werden kann. Das wünsche ich mir - mehr Offenheit und Ehrlichkeit beim Thema unerfüllter Kinderwunsch!“

Häufige Gründe für unerfüllten Kinderwunsch

Rund 10-15 Prozent der Schweizer Paare haben Schwierigkeiten dabei, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Zahlreiche Gründe können zur ungewollten Kinderlosigkeit führen. Deshalb werden Frau und Mann nach einem ausführlichen Gespräch individuell untersucht. Bei der ungewollten Kinderlosigkeit handelt es sich in den meisten Fällen nicht um eine vollständige Unfruchtbarkeit des Paares, sondern um eine Fruchtbarkeitsstörung.

Körperliche Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit

  • Bei Frauen:
    • Störungen der Eierstockfunktionen
    • Hormonelle Störungen der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse, der Nebennierenrinde
    • Körperliche Erkrankungen wie Diabetes und Infektionskrankheiten
    • Verwachsungen oder andere Fehlbildungen der Eierstöcke
    • Endometriose
    • Eine nicht behandelte Chlamydieninfektion
  • Bei Männern:
    • Gestörte Hodenfunktion
    • Samenleiterverschluss
    • Immunologische Sterilität: Antikörper gegen Samenzellen
    • Infektionen

Weitere beeinflussende Faktoren

Neben körperlichen Ursachen können auch Stress, Alkohol und Nikotin negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Aber auch bestimmte Medikamente können Ihre Fruchtbarkeit beeinflussen. Ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Fruchtbarkeit wurde bisher hauptsächlich für Frauen bzw. Personen mit weiblichen Geschlechtsorganen erforscht. Ebenso können psychische Belastungen und Probleme die Fruchtbarkeit belasten.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die Diagnose von Fruchtbarkeitsproblemen kann emotional sehr herausfordernd sein. Beim Mann, bzw. der Person mit männlichen Geschlechtsmerkmalen, wird das äußere Genital untersucht sowie die Spermienqualität geprüft. Zahlreiche Studien haben inzwischen belegt, dass Kinderwunschpaare sich hinsichtlich psychosozialer Aspekte nicht von Paaren in der Allgemeinbevölkerung unterscheiden. Es gibt lediglich einige wenige, bei denen die Kinderlosigkeit als psychisch bedingt eingestuft werden kann. Dazu gehören extreme Stressbelastung, Essstörungen, die zu starkem Unter- oder Übergewicht führen oder sexuelle Störungen, die den Geschlechtsverkehr verhindern.

Die Kinderwunschproblematik kann jedoch Phasen mit sich bringen, die das Paar psychisch stark belasten. Wenn Sie Unterstützung suchen, kann psychosoziale Beratung helfen. Die Beratung ist „psychosozial“, weil ganz unterschiedliche Aspekte betrachtet werden:

  • Einzel- und Paarberatung
  • Gespräch in der Partnerschaft über unterschiedliches Erleben und Umgehen mit der Kinderlosigkeit
  • Bemühungen, während der Behandlung eigene Wege im Umgang mit Erwartung und Enttäuschung zu finden
  • Kreativer Umgang mit den Erwartungen und Reaktionen von Familie, Freundeskreis und KollegInnen
  • Umgang mit eventuellen Fehlgeburten oder Entwicklung von Ideen, wie Sie mit der Kinderlosigkeit besser umgehen können
  • Sexualberatung bei sexuellen Problemen, wie z.B. Lustlosigkeit, die sich in der Wartezeit auf ein Kind entwickelt haben

Die gängigste Methode der Unfruchtbarkeitsbehandlung ist die In-Vitro-Fertilisation (IVF). Neben den bekanntesten Methoden der künstlichen Befruchtung empfehlen sich auch alternative Methoden. Eine künstliche Befruchtung führt nicht automatisch zu einer Schwangerschaft, und ein unerfüllt bleibender Kinderwunsch kann eine seelische Belastung für die betroffenen Paare sein. Zur Gewinnung der Eizelle muss ein kleiner ambulanter Eingriff in Kurznarkose durchgeführt werden.

In-vitro-Fertilisation (IVF) – Chancen, Risiken, Ablauf

Die Bedeutung von Kommunikation und gemeinsamer Entscheidungsfindung

Die unerfüllte Sehnsucht nach einem Kind wird häufig zur Belastungsprobe für eine Beziehung. Viele Paare entscheiden sich ganz bewusst für ein Kind. Geht der Plan zum gewünschten Zeitpunkt nicht auf, entsteht große Unsicherheit. Die Unsicherheit bringe Herausforderungen mit sich. „Die Sexualität verändert sich“, sagt Paartherapeutin Heike Melzer. Diesen Druck spürt auch Claudia Becker. Sie erinnert sich an viele Abende, an denen Sex nach Kalender auf dem Programm stand - obwohl die Stimmung eigentlich eher nach Filmabend war. Und dann die Warterei. „Die negativen Schwangerschaftstests fühlten sich an wie viele kleine Tode.“

Namiah Bauer aus Kreuzau hat das mit ihrem Mann erlebt. Das gewünschte dritte Kind kam nie. „Ich bin mit meinem Mann einen langen Weg gegangen“, sagt die heute 52-Jährige. „Obwohl er sich dieses Kind auch gewünscht hat, waren wir nicht immer ein Team.“ Heute weiß sie, was ihnen fehlte: „Wir hatten wenig Unterstützung und wussten nicht, mit wem wir über das Thema hätten reden können. Und wir haben selbst zu wenig miteinander gesprochen.“ So entstanden Missverständnisse - er wollte seine Trauer nicht rauslassen, auf sie wirkte er desinteressiert. Heute gibt Namiah Bauer ihre Erfahrungen weiter und arbeitet als Kinderwunschberaterin.

Miteinander reden - auch Paartherapeutin Heike Melzer sieht darin einen Schlüssel, um gemeinsam durch die harte Zeit zu kommen. „Trotz vorgeplantem Sex und wenig Romantik sollte man immer ein Liebespaar bleiben“, sagt sie. Wichtig sei auch, genau zu wissen, wie weit der Partner bereit ist zu gehen. Wo liegt die Grenze? Nach der dritten künstlichen Befruchtung? Oder vorher? Wer eine gemeinsame Linie finde, könne den Weg besser gemeinsam gehen. Als Vertrauensperson sieht sich auch Namiah Bauer. „Meine Aufgabe ist nicht nur, Paare auf ihrem Weg zum Wunschkind zu begleiten, sondern auch dann für sie da zu sein, wenn sie sich davon verabschieden müssen.“ Denn dann gehe es darum, einen anderen Sinn im Leben zu finden, neue Seiten an sich selbst zu entdecken.

Unerfüllter Kinderwunsch: Eine individuelle Reise

„Leider versuchen mein Mann und ich seit so langer Zeit ein Kind zu bekommen. Ich habe keine Kraft mehr jeden Monat zu hoffen, dass meine Periode nicht einsetzt.. und dann jedes Mal im Badezimmer zu weinen... wem ging es vielleicht auch so und was hat euch am Ende geholfen... bei meinem Mann und mir ist gesundheitlich alles in Ordnung...“ - Diese Worte spiegeln die Verzweiflung vieler Betroffener wider. Die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch liegen gleichermassen häufig bei der Frau, beim Mann wie auch in der Kombination zwischen Frau und Mann. Fruchtbarkeit ist nichts Unveränderliches. Selbst junge Menschen können auf Grund seelischer und körperlicher Überlastung oder einer ungesunden Lebensführung fruchtbare und unfruchtbare Phasen erleben.

Ob und wann ein Paar sich in naturheilkundliche oder reproduktionsmedizinische (fortpflanzungsmedizinische) Behandlung begibt, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Es gibt viele Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, darunter Stress und Lebensgewohnheiten. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies sehr individuell ist und dass niemand schuld daran ist, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

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